Bava Kamma 197

Kapitel 197

א והקדיחו יורה נותן לו דמי צמרו דמי צמרו אין דמי צמרו ושבחו לא לאו שהקדיחו לאחר נפילה דאיכא שבחא ושמע מינה אומן קונה בשבח כלי
1 und der Kessel sie verbrannt hat, so hat er ihm den Wert der Wolle zu ersetzen. Nur den Wert der Wolle, nicht aber den Wert der Wolle und den Mehrwert; doch wohl in dem Falle, wenn sie nach dem Hineinwerfen verbrannt ist, wo ein Mehrwert schon vorhanden war; somit ist hieraus zu entnehmen, daß der Handwerker den Mehrwert der Sache erwerbe.
ב אמר שמואל הכא במאי עסקינן כגון שהקדיחו בשעת נפילה דליכא שבחא אבל הקדיחו לאחר נפילה מאי נותן לו דמי צמרו ושבחו לימא שמואל לית ליה דרב אסי
2 Šemuél erwiderte: Hier handelt es sich um den Fall, wenn sie beim Hineinwerfen verbrannt ist, wo ein Mehrwert nicht vorhanden war. – Demnach muß er, wenn sie nach dem Hineinwerfen verbrannt ist, ihm den Wert der Wolle und den Mehrwert ersetzen, somit wäre anzunehmen, daß Šemuél nichts von der Lehre R. Asis halte. –
ג אמר לך שמואל הכא במאי עסקינן כגון דצמר וסמנין דבעל הבית וצבע אגר ידיה הוא דשקיל
3 Šemuél kann dir erklären, hier handelt es sich um den Fall, wenn die Wolle und die Farben dem Eigentümer gehören, und der Färber nur den Lohn für seine Arbeit zu erhalten hat. –
ד אי הכי נותן לו דמי צמרו וסמנין מיבעי ליה אלא שמואל דחויי קא מדחי ליה
4 Demnach müßte es ja heißen, er habe ihm den Wert der Wolle und der Farben zu ersetzen!? – Vielmehr, Šemuél wollte dies nur zurückweisen. –
ה תא שמע הנותן טליתו לאומן גמרו והודיעו אפילו מכאן ועד עשרה ימים אינו עובר עליו משום (ויקרא יט, יג) לא תלין נתנה לו בחצי היום כיון ששקעה עליו החמה עובר עליו משום בל תלין
5 Komm und höre: Wenn jemand einem Handwerker ein Gewand übergeben und dieser [die Arbeit] beendigt und ihm dies mitgeteilt hat, so begebt er nicht [das Verbot:]<i>du sollst nicht übernachten lassen</i>, selbst nach zehn Tagen; hat er es ihm mitten am Tage abgeliefert, so begeht er, sobald die Sonne untergeht, das Verbot des Übernachtenlassens.
ו ואי ס"ד אומן קונה בשבח כלי אמאי עובר משום בל תלין
6 Wieso begeht er das Verbot des Übernachtenlassens, wenn man sagen wollte, ein Handwerker eigne den Mehrwert!?
ז אמר רב מרי בריה דרב כהנא בגרדא דסרבלא דליכא שבחא
7 R. Mari, Sohn des R. Kahana. erwiderte: Dies gilt von einem Kleiderwalker, wobei es gar keinen Mehrwert gibt. –
ח סוף סוף למאי יהבה נהליה לרכוכי כיון דרככיה היינו שבחא לא צריכא דאגריה לביטשי ביטשא ביטשא במעתא דהיינו שכירות
8 Wozu gab er es ihm? – Um es geschmeidig zu machen. – Wenn er es geschmeidig gemacht hat, besteht ja darin der Mehrwert!? – In dem Falle, wenn er ihn zum Walken gemietet hat, jeden Schlag gegen besondere Belohnung; dies ist also eine Lohnarbeit.
ט ולמאי דסליק אדעתין מעיקרא דלא אגריה לביטשי מסייע ליה לרב ששת דבעו מיניה מרב ששת קבלנות עובר עליו משום בל תלין או אינו עובר ואמר להו רב ששת עובר
9 Nach unserer früheren Auffassung aber, wenn er ihn nicht zum Walken gemietet hat, wäre dies eine Stütze für R. Šešeth. Sie fragten nämlich R. Šešeth, ob man auch bei einem Akkordarbeiter das Verbot des Übernachtenlassens übertrete oder nicht, und R. Šešeth erwiderte ihnen, man übertrete es.
י לימא דרב ששת פליגא אדרב אסי אמר שמואל בר אחא בשליחא דאיגרתא
10 Demnach wäre anzunehmen, daß R. Šešeth gegen R. Asi streite? Šemuél b. Aḥa erwiderte: Er spricht von einem Briefboten.
יא לימא כתנאי עשה לי שירים נזמין וטבעות ואקדש לך כיון שעשאן מקודשת דברי רבי מאיר וחכמים אומרים אינה מקודשת עד שיגיע ממון לידה
11 Es wäre anzunehmen, daß hierüber folgende Tannaím streiten: [Sagte sie zu ihm:] Fertige mir Armbänder, Nasenringe, Fingerringe, und ich will dir angetraut sein, so ist sie ihm, sobald er sie angefertigt hat, angetraut – so R. Meír; die Weisen sagen, sie sei ihm nicht eher angetraut, als bis eine Wertsache in ihren Besitz gekommen ist.
יב מאי ממון אילימא אותו ממון מכלל דר"מ סבר אותו ממון לא אלא במאי מקדשא אלא פשיטא מאי ממון ממון אחר
12 Welche Wertsache: wollte man sagen, diese Wertsache, so wäre R. Meír der Ansicht, auch diese Wertsache sei nicht erforderlich, womit sollte sie denn angetraut sein!? Vielmehr ist unter Wertsache eine andere zu verstehen.
יג וסברוה דכולי עלמא ישנה לשכירות מתחילה ועד סוף ודכולי עלמא המקדש במלוה אינה מקודשת
13 Sie glaubten, alle seien der Ansicht, der Arbeitslohn sei vom Beginne [der Arbeit] bis zur Beendigung fällig, und daß ferner alle der Ansicht sind, die Antrauung mit einem Darlehen sei ungültig,
יד מאי לאו באומן קונה בשבח כלי קמיפלגי דר"מ סבר אומן קונה בשבח כלי ורבנן סברי אין אומן קונה בשבח כלי
14 somit streiten sie wahrscheinlich, ob der Handwerker den Mehrwert der Sache eigne; R. Meír ist der Ansicht, der Handwerker eigne den Mehrwert der Sache, und die Rabbanan sind der Ansicht, der Handwerker eigne nicht den Mehrwert der Sache. –
טו לא דכולי עלמא אין אומן קונה בשבח כלי אלא הכא בישנה לשכירות מתחילה ועד סוף קא מיפלגי
15 Nein, alle sind der Ansicht, der Handwerker eigne den Mehrwert der Sache nicht, und hierbei streiten sie vielmehr, ob der Arbeitslohn vom Beginne bis zur Beendigung fällig ist;
טז רבי מאיר סבר אין לשכירות אלא לבסוף ורבנן סברי יש לשכירות מתחילה ועד סוף
16 R. Meír ist der Ansicht, der Arbeitslohn sei erst bei Beendigung fällig, und die Rabbanan sind der Ansicht, der Arbeitslohn sei vom Beginne bis zur Beendigung fällig.
יז ואי בעית אימא דכולי עלמא ישנה לשכירות מתחילה ועד סוף והכא במקדש במלוה קמיפלגי דרבי מאיר סבר המקדש במלוה מקודשת ורבנן סברי המקדש במלוה אינה מקודשת
17 Wenn du aber willst, sage ich: alle sind der Ansicht, der Arbeitslohn sei vom Beginne bis zur Beendigung fällig, und hierbei streiten sie über die Antrauung mit einem Darlehen; R. Meír ist der Ansicht, die Antrauung mit einem Darlehen sei gültig, und die Rabbanan sind der Ansicht, die Antrauung mit einem Darlehen sei ungültig.